Über die Bedeutung von „Bauernregeln“ beim Wandern

Eisheiligen, Schafskälte und Siebenschläfer gehören zu den bekanntesten Bauernregeln und Wetterphänomen in Deutschland. Welche Auswirkungen auf die Tourenplanung bei Wanderungen in den Bergen sich daraus ergeben können, davon berichten wir Dir im folgenden.

Gregorianische Kalenderreform

Die Eishiligen ebenso wie die Schafskälte und der Siebenschläfertag beziehen sich noch auf den julianischen Kalender. Aufgrund der Kalenderreform im Jahr 1582  sind diese drei Wetterphänomene heutzutage in etwa 10 Tage zu erwarten.

Eisheiligen – 20. bis 25. Mai

Jedes Jahr Mitte bis Ende Mai kommt es in vielen Teilen Deutschlands und den Alpen zur letzten großen Kälteperiode. Ursprünglich waren die Eisheiligen (Mammertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius & die kalte Sophie) vom 10. bis 15. Mai. Doch durch die Kalenderreform Papst Gregor VIII. 1582 verschoben sich die Eisheiligen um 10 Tage. Viele Gartenfreunde pflanzen erst nach Kalt-Sophie empfindliche Pflanzen aus und auch in den Bergen und hohen Alpentälern fällt oft nochmals Schnee.

Durch die schnelle Erwärmung der Landmassen und das noch immer kalte Meer entsteht ein Ungleichgewicht, welches die Ursache für die Eisheiligen ist. 2015 war der April außergewöhnlich sonnig und warm, sodass wir im Mai mit meist wechselhaften Wetter zu kämpfen hatten.

Auswirkungen der Eisheiligen auf die Tourenplanung

Im Zeitraum der Eisheiligen sollte man nicht unbedingt mit gutem Wetter rechnen und Mehrtagestouren davor beenden oder danach beginnen. Zusätzliche Ausrüstung wie Handschuhe, Mütze, Gamaschen und Grödeln sollten mit im Rucksack dabei sein. Vor allem wenn Du auf nordseitigen Pfaden unterwegs bist. Bei der Tourenplanung am besten eine Webcam eines ähnlichen hohen Berges in der Gegend nutzen, um zu prüfen ob dort kürzlich Schnee gefallen ist.

Schafskälte – um den 11. Juni

Zwischen dem 4. und 20. Juni kommt es bei uns häufig zu einem Kälteeinbruch, der oftmals um den 11. Juni eintritt. Die Eintrittswahrscheinlichkeit liegt bei 89 %. Die Temperaturen sinken um 5 bis 10°. Das Wetterphänonem tritt nicht jedes Jahr auf. Im Frühjahr erwärmen sich die Landmassen deutlich schneller als das Meer. Es entsteht ein Tiefdruckgebiet, welches kalte Polarluft vor allem nach Deutschland und in die hoch gelegenen Bergregionen der Alpen bringt. In dieser Zeit dreht der Wind von Südwest auf Nordwest, wie bei den Eisheiligen auch.

Auswirkungen der Schafskälte auf die Tourenplanung

Der Kälteeinbruch im Juni ist deutlich kürzer und nicht so regelmäßig wie die Eisheiligen im Mai. Es kann aber trotzdem gut möglich sein, dass noch einmal Neuschnee in den Bergen fällt. Dieser schmilzt – aufgrund des im Juni i.d.R. wärmen Wetters – schnell wieder dahin. Ein Blick in den Wetterbericht lohnt sich allemal.

Siebenschläfer – 7. Juli

Laut vielen Bauernregeln bestimmt das Wetter am Siebenschläfer sieben Wochen lang das Wetter. Wie bei den Eisheiligen hat sich der Siebenschläfertag durch die Kalenderreform auf den 7. Juli verschoben, ursprünglich war es der 27. Juni. Auswertungen von meteorologischen Statistiken in Süddeutschland haben ergeben, dass die erste Woche im Juli zu 60 – 70 % ausschlaggebend für das folgende Wetter ist.

Abhängig durch den Jetstream, stabilisiert sich die Großwetterlage von Ende Juni bis Anfang Juli kurzzeitig. Bildet sich in dieser Zeit ein Hochdruckgebiet von Skandinavien über England bis zu den Azoren, ist mit guten Wetter zu rechnen. Setzt sich eher das Islandstief durch werden die Wochen danach unbeständig.

Auswirkungen des Siebenschläfers auf die Tourenplanung

Direkt wirkt sich diese Bauernregeln nicht etwa durch einen Kälteeinbruch aus, sondern eher im Form von stabilen oder eben nicht dauerhaft stabilen Wetter.

Resümee - Einfluss von Bauernregeln für die Tourenplanung

Auf jeden Fall macht es Sinn Bauernregeln bei der Tourenplanung für das Bergwandern grundsätzlich im Hinterkopf zu haben.

Vor allem wenn Du langfristig deinen Wanderurlaub für die kommende Saison planst, sollte er nicht unbedingt auf den Zeitraum um die Eisheiligen fallen. Da sich dieses Wetterphänomen über mehrere Tage zieht und zum Teil große Einschränkungen bei den Touren bedeuten kann. Im Juni, wenn dann schon öfters Gipfel oberhalb von 2000 Metern erklommen werden, kann es gut möglich sein, dass es noch einmal zu einem kurzen Kälteeinbruch (Schafskälte) kommt.

  • Eisheiligen – 20. bis 25. Mai
  • Schafskälte – um den 11. Juni
  • Siebenschläfer – 7. Juli

Wir wünschen dir viel Erfolg und gutes Gelingen auf all deinen Wanderwegen.

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Quelle: Die Angabe der %-tualen Wahrscheinlichkeit wurde dem betreffenden Wikipedia Eintrag  entnommen.
Bildquelle: Photo by Johannes Plenio on Unsplash

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